Montag, 17. Februar 2020

Kloster Zinna - an der Route der Backsteingotik


 

Ein Kleinod im Fläming

Steht man vor der Abtei des Klosters Zinna in der Nähe von Jüterbog im Land Brandenburg, weht einem der Duft von Kräutern durch die Nase und man kommt in Versuchung, dem Duft nachzugehen. Statt im Klostermuseum landet man dann allerdings im ehemaligen Siechenhaus des Klosters, in der Klosterdestillerie.Hier kann man die Kräuteressenzherstellung vom „Zinnaer Klosterbruder“, dem legendäre Kräuterlkör erleben und auch eine Kostprobe erhalten.

Mönche leben nicht mehr im Kloster, dafür wird im Museum nebenan die Geschichte des Klosters anschaulich erzählt. Der Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg stiftete 1170 dem Jüteboger Land ein Kloster, nachdem er zuvor flämische Kolonisten ansiedelte. Diesen verdankt die Region bis heute den Namen „Fläming“, zirka 60 Kilometer südlich von Berlin. Von der ehemals großen Anlage, die im späten 12. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte und von Leben erfüllt war, sind heute nur noch wenige Gebäude erhalten geblieben. Neben der Klosterkirche St. Marien, einer spätromanisch-frühgotischen Basilika aus Granitquadern, die zurzeit saniert wird (Fertigstellung 2017), lohnt ein Besuch der Abtei, in der heute das Museumskloster untergebracht ist. Daneben, wie schon erwähnt, die Destillerie im Siechenhaus.


Im Museum wird die Geschichte des Zisterzienserordens dargestellt und Einblick in das damalige Klosterleben gegeben. Erst 1958 wurden unter zahlreichen Putz- und Farbschichten mittelalterliche Freskenbilder wiederentdeckt. Das Kloster ist am Besten mit dem Auto zu erreichen. Es liegt direkt an der B 101 und der „Europäischen Route der Backsteingotik“. Dann allerdings sollte man auf das Rad oder die Inlineskates umsteigen, denn die Gegend liegt auch an der Fläming-Skate-Route, Europas größtem Rad- und Skater-Paradies auf einer drei Meter breiten Asphaltpiste von insgesamt 190 Kilometer Länge. Drei Rundkurse durch Wiesen und Felder verlaufen um das Kloster. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt


 

Freitag, 7. Februar 2020

Burg Storkow hat eine wechselvolle Geschichte


Eine der ältesten Burganlagen in Brandenburg

Die Burg Storkow zählt zu den ältesten Burganlagen in Brandenburg und hat eine bewegte Geschichte. Urkundlich erwähnt wurde die Burg erstmals 1209 in einem Dokument Otto IV. Nach dem Ende des Teltow-Krieges wurde die Anlage als Grenzsicherung gegen die Askanier ausgebaut und von 1250 an bis 1382 an die Herren von Strehla belehnt. Es folgten weitere Besitzer, bis die Burg 1520 zu einer bischöflichen Residenz ausgebaut wurde. 1556 kamen Burg und Herrschaft Storkow an den Markgrafen Johann I. von Brandenburg-Küstrin. Er setzte sich für den Bau des Renaissanceschlosses ein und ließ in den Räumlichkeiten auch eine „königliche Wohnung“ einrichten, die von den Kurfürsten aus Brandenburg genutzt werden konnte. Nach seinem Tod fielen Burg und Herrschaft endgültig in den Besitz der Kurfürsten von Brandenburg.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1627 schwer verwüstet. Der Wiederaufbau erfolgte als kleines Renaissanceschloss. 1655 war die Generalmajorin Margarethe von Lange die Besitzerin der Burg. Sie ließ das Anwesen um ein neues Amtshaus sowie eine Toreinfahrt erweitern. 1775 kam es zu einem Brand, bei dem das Amtshaus sowie die zweite Etage des Schlosses niederbrannte. 1840 stellten Experten fest, dass der Burgturm baufällig geworden war und abgerissen werden musste. 1870 wurde das Obergeschoss des Schlosses zurückgebaut und fiel 1899 in den Besitz der Stadt Storkow. 1910 erwarb der Architekt Johann Emil Schaudt die Burganlage und ließ sie für 25.000 Mark im romantisch historisierenden Stil umbauen. Zwischen 1934 und 1945 nahm die Hitlerjugend die Burg als Jugendburg in Anspruch und von 1945 bis 1978 waren in der Anlage Dienststellen der Gemeindeverwaltung untergebracht, nachdem zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Rathaus der Stadt abgebrannt war.
Nach einem Brand 1978 betreibt die Stadt seit 1998 erfolgreich den Wiederaufbau und die Restaurierung der Burganlage. Mit großer Unterstützung der Landesregierung und der Bürger wurde die Sanierung vorangetrieben. 2001 konnte die Stadtbibliothek und die Touristinformation im sanierten Fachwerkhaus der Burg einziehen, seit 2005 finden auf dem Burghof mit der modernen Freilichtbühne regelmäßig Veranstaltungen statt.  Im Februar 2009 wurde schließlich die Fertigstellung des sog. Brauhauses und des Palais gefeiert. Seitdem stehen nun auch die historisch und architektonisch interessanten Hauptgebäude der Burg für Besucher offen. Die feierliche Einweihung erfolgte Pfingsten 2009 im Zuge der 800-Jahr-Feier der Stadt Storkow. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Montag, 3. Februar 2020

Eine Wanderung in der Mark Brandenburg

Vom Rathaus Storkow zur Burg und Binnendüne

Auf den zahlreichen Wanderwegen durch die Mark Brandenburg machen wir diesmal Halt in der Kleinstadt Storkow, zirka 50 Kilometer südöstlich von Berlin. Hier steht nicht nur eine der ältesten Burgen Brandenburgs, hier kann man auch eine der schönsten Binnendünen Deutschlands erklimmen.
Wir beginnen unsere Wanderung am Rathaus in Storkow und folgen der Rudolf-Breitscheid-Straße bis zum Marktplatz. Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Städten in Brandenburg, ist in Storkow Anfang 2019 die Sanierung baufälliger Häuser noch nicht gänzlich abgeschlossen. Die Altstadt am Markt ist dagegen schon wieder hübsch hergerichtet. Mitten auf dem weitläufigen Platz steht die Friedenseiche, zur Erinnerung an das Ende der napoleonischen Kriege 1814.
Vorbei an der im romanischen Stil errichteten evangelischen Backsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert erreichen wir den Storkower Kanal mit der nach holländischem Vorbild erbauten Zugbrücke. Auf der Heinrich-Heine-Straße geht es dann weiter bis zur Ecke Reichenwalder Straße/Burgstraße. Wir biegen in die Reichenwalder Straße ein und stehen nach wenigen Metern am Strandbad Storkow mit Blick über den gleichnamigen See. Folgen wir der Reichenwalder Straße weiter, kommt links ein kleines Hinweisschild zur Binnendüne.
 
Durch duftenden Kiefernwald geht es ein Stück bergan und bergab bis zum Eingang der Düne, die ihren Ursprung aus der Eiszeit hat und heute zum Naturpark Dahme-Heideseen gehört.
Der Kern der Dünen ist mit seinen rund 14 Hektar als Naturschutzgebiet Binnendüne Waltersberge ausgewiesen und bietet auf seiner höchsten Stelle einen Blick über den Storkower See. Hinweistafeln erklären anschaulich die Bedeutung der Düne und die Maßnahmen, die dazu dienen, dem Naturschutz Rechnung zu tragen. Beeindruckt von dem Naturphänomen machen wir uns auf den Rückweg durch den Wald, am jüdischen Friedhof vorbei, zur Reichenwalder Straße. An der Ecke Heinrich-Heine-Straße/Burgstraße schwenken wir in die Burgstraße ein, um der Burg Storkow einen Besuch abzustatten.
Rittersleute mit Schwert und Schild erwarten uns am Toreingang, der zur Burg-Anlage führt. Liebevoll restauriert hinterlässt die Burg mit ihrer wechselvollen Geschichte einen bleibenden Eindruck. Bei der Restaurierung und der Freilegung des mittelalterlichen Mauerwerks wurden erstaunliche Funde gemacht über die Bautätigkeit der verschiedenen Besitzer in der über 800-jährigen Geschichte der Anlage. Die Herren von Strele waren die Erbauer der ersten steinernen Burg, die vorher nur eine hölzerne Befestigung war. Unverputzte Wandflächen lassen erkennen, was frühere Besitzer umgebaut, angebaut, oder ausgebessert haben.
Nach einem Brand 1978 betreibt die Stadt seit 1998 erfolgreich den Wiederaufbau und die Restaurierung der Burganlage. Mit großer Unterstützung der Landesregierung und der Bürger wurde die Sanierung vorangetrieben. 2001
konnte die Stadtbibliothek und die Touristinformation im sanierten Fachwerkhaus der Burg einziehen, seit 2005 finden auf dem Burghof mit der modernen Freilichtbühne regelmäßig Veranstaltungen statt. Im Februar 2009 wurde schließlich die Fertigstellung des sog. Brauhauses und des Palais gefeiert. Seit dem stehen nun auch die historisch und architektonisch interessanten Hauptgebäude der Burg für Besucher offen. Nach einer Stärkung im Burgcafé folgen wir der Burgstraße weiter bis zur Rudolf-Breitscheid-Straße, in die wir rechts einbiegen und nach zirka 7 Kilometern die Wanderung am Rathaus wieder beenden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 Fotos von oben nach unten: Die Friedenseiche auf dem Marktplatz, saniertes Bürgerhaus, Zugbrücke über den Kanal,
Storkower See, Binnendüne

Montag, 27. Januar 2020

Jüterbog, die Hauptstadt des Fläming


Eine Reise in die Geschichte


Die Altstadt ist geprägt von Gebäuden aus dem Mittelalter, mit Wehrtürmen, gewaltigen Kirchen und Klöstern und dem ältesten Rathaus im Land Brandenburg. Wir sind in Jüterbog, der Hauptstadt des Fläming im Land Brandenburg.

Jüterbog war über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse. Wallenstein weilte während des 30jährigen Krieges hier, der Preußenkönig Friedrich eröffnete den Siebenjährigen Krieg von Jüterbog und zu Kaiser-Wilhelm-Zeiten galt Jüterbog als größte Garnisonsstadt Deutschlands.


Wir beginnen unseren Stadtrundgang an der Mönchenkirche, einer Klosterkirche der Franziskaner und sind überrascht, als wir in die äußerlich gut erhaltene Kirche eintreten. Statt Chorgesang und Gebet, sitzen unter der Kanzel interessierte Besucher gemütlich in Sesseln und blättern in Infobroschüren der Stadt. Aus der imposanten Backstein-Hallenkirche wurde ein „Kulturtempel“ und Informationszentrum. Außerdem gibt es dort ein kulturhistorisches Archiv und ein Museum. So wurde aus einer ehemals „verwaisten“ Kirche ein nützlicher Anlaufpunkt für Bürger und Touristen.


Von der Mönchenstraße gelangen wir in wenigen Minuten zum Marktplatz, um von dort unseren Spaziergang durch die Vergangenheit zu beginnen. Unser Blick fällt sofort auf das gotische Rathaus. Im Obergeschoß liegt das ehemalige Fürstenzimmer, ein Meisterwerk spätgotischer Baukunst. Hier haben Wallenstein und Friedrich der Große Geschichte geschrieben, heute „regiert“ in dem denkmalgeschützten Rathaus Bürgermeister Arne Raue. An der linken Rathausecke ragt das Standbild vom heiligen Mauritius hervor. Er war und ist der Schutzpatron der Stadt.

 
Vom Marktplatz biegen wir in die Nikolaikirchstraße ein, die von Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter geprägt ist und stehen schon bald vor der mächtigen Nikolaikirche. Sie ist mit ihren fast 70 Meter hohen, unterschiedlich gestalteten Türmen aus dem 14./15. Jahrhundert das Wahrzeichen der Stadt. Leider ist sie nicht immer geöffnet. Im Winterhalbjahr klopft man vergebens an die schwere Kirchentür, sie verwehrt den Einlass. Im prachtvoll ausgemalten Inneren sind vor allem die Fresken, der mittelalterliche Altar und der Tetzelkasten zu bewundern. Wir umrunden die Kirche und setzen unseren Weg durch die Kleine Kirchstraße fort.

An der Straße „Planeberg“ stoßen wir auf den Abtshof, einem Backsteinbau von 1500, der dem nahen Kloster Zinna als Stadtresidenz diente. An der Zinnaer Straße biegen wir rechts ein, um nach wenigen Metern vor dem Zinnaer Tor zu stehen. Nach links erstreckt sich die Stadtmauer, inzwischen vollständig restauriert, vermittelt sie einen geschichtlichen Einblick in die Vergangenheit. Am Wursthof halten wir uns links und biegen auf halber Strecke zum Marktplatz rechts ein. Nun stehen wir wieder vor der Mönchenkirche, wo unser interessanter Stadtspaziergang begonnen hat. 

Man kann nun den kurzweiligen Ausflug ins Mittelalter beenden oder die wenige Autominuten entfernte Klosterkirche Zinna besuchen. Im Museum wird zudem die Geschichte der Zisterziensermönche erzählt, die von 1170 an das Kloster zu Wohlstand und Ansehen führten. Im 1800 Jahrhundert ließ Friedrich der Große hier eine Stadt gründen, um Weber anzusiedeln. Das Ortsbild dieser am Reißbrett entstandenen Kolonie ist heute noch weitestgehend erhalten. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt 

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